Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe” ist ein u.s.-amerikanischer Impfgegner-Film, der vorgibt eine Enthüllungsgeschichte zu erzählen. Der Film verbreitet eine Ablehnende Haltung gegen das Impfen und legt nahe, es gebe einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Kranheiten, wie Autismus. Hinter dem Film steht der ehemalige Arzt Andrew Wakefield.

Dessen – inzwischen von der Zeitschrift The Lancet zurückgezogener – impfkritischer Beitrag führte dazu, dass sich weniger Menschen impfen ließen. Der Artikel mit dem Titel Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia, non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children suggerierte einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem MMR-Kombinations-Impfstoff, der gegen Mumps, Masern und Röteln eingesetzt wird, und Autismus. In der Folge fielen die Impfraten insbesondere in Großbritannien deutlich ab.

2004 wurde bekannt, dass Wakefield vor der Veröffentlichung von Anwälten, die Eltern Autismus-betroffener Kinder vertraten, 55.000 £ an Drittmitteln erhalten hatte (The Sunday Times). Diese suchten Verbindungen zwischen Autismus und der Impfung, um Hersteller des Impfstoffes zu verklagen. Die Gelder waren weder den Mitautoren noch der Zeitschrift bekannt gewesen. Daraufhin traten zehn der dreizehn Autoren des Artikels von diesem zurück. Im Januar 2010 entschied das General Medical Council, die britische Ärztekammer, dass Wakefield „unethische Forschungsmethoden“ angewandt habe und seine Ergebnisse in „unehrlicher“ und „unverantwortlicher“ Weise präsentiert worden seien. The Lancet zog daraufhin Wakefields Veröffentlichung vollständig zurück. In der Folge wurde im Mai 2010 auch ein Berufsverbot in Großbritannien gegen ihn ausgesprochen. Er kündigte dagegen Berufung an.

Weitere Nachforschungen der englischen Zeitung „Sunday Times“ ergaben laut der FAZ, dass im Vorfeld zu der bewussten Publikation Wakefield und weitere Protagonisten bis zu 3,5 Millionen britische Pfund von einer Anwaltskanzlei erhalten haben, welche die Eltern autistischer Kinder vertrat. Andrew Wakefield selber bereichterte sich um eine halbe Million Pfund. Schon zwei Jahre vor dem Erscheinen des strittigen Beitrags erhielt er die ersten Teilzahlungen. Weiterhin hatten fünf weitere Autoren der Publikation und auch ein Gutachter, der seinerzeit die Veröffentlichung für The Lancet prüfte, persönliche Zahlungen von der Anwaltskanzlei erhalten.

Wakefield gab 2001 seine Arbeitsstelle im Royal Free Hospital in London auf und wanderte in die USA aus. Dort eröffnete er 2005 eine Privatklinik, die er im Februar 2010, kurz nachdem seine Studie zurückgezogen wurde, verließ. Er ist heute ein Intimus von Donald J. Trump.

Im August 2016 traf Wakefield auf Donald Trump während dessen Wahlkampf um die US-Präsidentschaft. Trump gilt als Impfskeptiker. So verbreitete er 2014 über Twitter die auf Wakefields Theses aufbauende Behauptung: Healthy young child goes to doctor, gets pumped with massive shot of many vaccines, doesn’t feel good and changes – AUTISM, Many such cases!

(Bild: Trump-Tweet aus dem Jahr 2014)

Im Oktober 2005, veröffentlichte die Cochrane Library eine Überprüfung von 31 wissenschaftlichen Studien und schloss:

Es gibt keinen glaubwürdigen Beweis hinter den Behauptungen der Schadhaftigkeit des MMR-Impfstoffs.

Allerdings bemängelten auch diese Autoren, das Design und der Bericht von sicherheitsrelevanten Ergebnissen in MMR-Impfstoffstudien sei überwiegend inadäquat. Cochrane, in Oxford, England, wird von Wissenschaftlern weithin als die höchste unabhängige Prüfinstanz medizinischer Literatur angesehen.

Was steckt hinter der Impfgegnerschaft

Von Personen mit ablehnender Haltung wurde bereits bei der ersten Impfung am Anfang des 19. Jahrhunderts berichtet, die sich gegen die gefürchteten Pocken richtete. Laut Robert-Koch-Institut sind bis heute schätzungsweise drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung Impfgegner. In Ländern mit niedrigerem Bildungsstandard liegt der Anteil teils deutlich höher. Negative Berichte über Impfschäden oder die Leugnung des Impfprinzips selber werden von Impfgegnern in Büchern und in wissenschaftskritischen Internet-Foren publiziert. Impfgegner sind oft durch pseudo-medizinische, anthroposophische oder esoterische Ansichten motiviert.

Nachweislich erhalten die Kinder von Anhängern sogenannter “Alternativ”-Medizin signifikant seltener die empfohlenen Schutzimpfungen. Mehrere hundert Kinder mussten seither wegen schwerer Masern-Komplikationen in Krankenhäuser eingewiesen werden, ein Mädchen starb. Diese Entwicklung ist auch in Deutschland zu beobachten. So starb ein Kleinkind in Berlin während eines größeren Masernausbruchs mit einigen hundert registrierten Fällen im Herbst 2014.

Zu solchen Ansichten tragen oft übertriebene Angst vor Impfschäden, Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen, gegenüber der Pharmaindustrie und gegenüber der Medizin im Allgemeinen sowie Unwissenheit und irreführende Medienberichte bei. Im Gegensatz dazu stellten die Vereinten Nationen und UNICEF im Jahr 2002 fest, dass jedes Kind ein Recht auf Impfung gegen verhütbare Krankheiten hat. In der Ausgestaltung des Paragraph 24 der UN-Kinderrechtskonvention, der Kindern das Recht auf größtmögliche Gesundheit zuspricht, wurde zu Impfungen die Position eingenommen, dass „die Routineimpfung von Kindern notwendig ist, um das Recht der Kinder auf Gesundheit zu gewährleisten“.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben noch immer „jedes Jahr rund drei Millionen Kinder an Krankheiten, die mit einer bis drei Einheiten einfach erhältlicher Impfstoffe leicht hätten verhindert werden können, vor allem in Entwicklungsländern. Millionen weiterer Kinder werden durch diese Krankheiten geschwächt oder schwerbehindert“.

Dagegen sind viele schwerwiegende Infektionskrankheiten in den Industrienationen durch Impfprogramme und gute Durchimpfung der Bevölkerung selten geworden.[9] Auch Impfverweigerer werden dabei Nutznießer der hohen Populationsimmunität durch das Impfen. Vergessen oder verharmlost werden in der Folge die Konsequenzen von Infektionskrankheiten mit ihren Komplikationen, angefangen bei Entwicklungsschäden über bleibende körperliche Behinderungen bis hin zum Tod. Diese Risiken werden auch bei den so genannten Masernpartys unterschätzt. Die empfohlene Masernimpfung bietet einen sicheren und sehr gut verträglichen Schutz, ohne das Risiko einer Lungen- oder Hirnentzündung. Die Kontroversen im Detail werden in den Artikeln über Impfstoffe erörtert (MMR-Impfstoff, hexavalenter Impfstoff u. a.).

Ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus wurde in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen wiederlegt.

Aktuell geht der Film in Deutschland in den Verleih.

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Zum Weiterlesen:

  • Wikipedia: Andrew Wakefield
  • Wikipedia: MMR-Impfstoff
  • Wikipedia: Impfung
  • Nach Protesten: Robert de Niro wirft Anti-Impf-Machwerk aus Tribeca-Festival-Programm, GWUP-Blog am 27. März 2016
  • “Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe”: Closer to horror film than documentary, Washington Post am 19. Mai 2016
  • ‘Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe’ is Designed to Trick You (Review), Indie Wire am 12. Mai 2016
  • The Woo Boat, part 2: Andrew Wakefield versus the skeptics, Respectful Insolence am 26. Februar 2016
  • In which antivaccine activist J. B. Handley thinks attacking Andrew Wakefield’s movie “backfired”, Respectful Insolence am 8. April 2016
  • The fall of Andrew Wakefield, Science-Based Medicine am 22. Februar 2010
  • Film Review: ‘Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe’, Variety am 3. April 2016
  • Impfgegner: Mit solchen Leuten will man nicht mehr diskutieren, GWUP-Blog am 8. Juni 2016
  • Vaxxed, reviewed: What happened inside the movie, Violent Metaphors am 13. Juni 2016
  • Vaxxed misinformation: Legal remedies for those harmed? Skeptical Raptor’s Blog am 14. Juni 2016

Der Beitrag basiert in Teilen auf Material von Wikipedia.

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