Wissenschaftliche Praxis und Evidenz vs. Big Data und Künstliche Intelligenz?

Andreas Weimann

Gute wissenschaftliche Praxis und Evidenz versus Big Data und Künstliche Intelligenz – Partner oder Gegner?

Unter den Schlagworten Big Data, Digitalisierung, personalisierte Medizin und Künstliche Intelligenz hat sich eine neue Welt entwickelt, die goldene Zeiten für unsere Gesundheitsversorgung verspricht, dafür aber die Eckpfeiler unseres wissenschaftlichen Denkens außer Kraft setzt. Das Zeitalter der Kausalität ist Vergangenheit, dank unbegrenzter Datenmengen wird Korrelation zu Kausalität. Der damit erzeugte Hype hat zu einer faszinierenden Kritiklosigkeit geführt. Die Datensintflut macht Theorie und Wissenschaft obsolet. Eine rationale, auf Fakten und Daten gegründete, wissenschaftliche Betrachtung des versprochenen Nutzens versus Risiken und Kosten (Fundament jeder Technikfolgenabschätzung) sucht man vergeblich. Neben den fundamentalen logischen Widersprüchen sind die damit initiierten gesellschaftlichen Auswirkungen überfällig für eine umfassende Bewertung, die jedoch nicht erfolgt. Stattdessen ist die Digitalisierung zu einer Ideologie verkommen, die als Staatsraison realisiert werden muss. Die Frage nach Zielen und Sinn wird tunlichst vermieden. Kritische Fragen zu den technisch nicht erfüllbaren, hype-getriebenen Versprechungen gehen in dieser Stimmung unter. Welche Konsequenzen das hat, wird sich in ein paar Jahren zeigen.

Gerd Antes ist Biometriker und war von 1997 bis Oktober 2018 Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums. Er ist Mitbegründer des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Antes hat in seinen Aktivitäten immer die strenge wissenschaftliche Basis als Grundlage für Entscheidungen in den Mittelpunkt gestellt. Wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung von Methodik, Forderungen nach Transparenz und Integrität zeichnen seinen Weg.

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