„Lifehack“: So nützlich ist der Grundpreis


Der „Wert“ einer Ware ist subjektiv. Jeder Mensch schätzt ihn anders ein. Worauf die Eine Wert legt ist dem Anderen völlig egal. Aber, wie trifft man bei all den unterschiedlichen Faktoren die subjektiv „richtige“ Entscheidung? Es gibt einen relativ einfachen Life-Hack, mit dem Sie ihre Zufriedenheit mit der Kaufentscheidung steigern und Geld sparen können. Für die Bedeutung der Angabe des Grundpreises für eine rationale Konsumentscheidung haben wir zwei Beispiele:

Beispiel 1: Susanne kauft Cola

Susanne ist eine flexible Kundin. Sie orientiert sich keineswegs ausschließlich an bekannten Marken. Stattdessen probiert sie gerne auch mal etwas Neues aus oder wechselt von der einen zur anderen Marke. Sowieso glaubt sie, dass viele Produkte im Ergebnis doch ziemlich ähnlich sind.

Auch bei Cola ist Susanne eigentlich nicht auf eine bestimmte Marke festgelegt. Die ganz billigen Marken vom Discounter schmeckten ihr nicht so gut, auch mag sie keine Cherry-Colas, aber zwischen den großen und namhaften Colamarken wechselt sie gelegentlich auch mal hin und her. Nun steht Susanne vor dem Regal und stellt fest: 1,5 l Cola der Marke A kosten 0,45 €;  1,25 l Cola der Marke B kosten 0,39 €.

Weil Susanne findet, dass beide Marken gleich gut schmecken, möchte sie die günstigere kaufen, aber welche von beiden ist nun wirklich günstiger?

Beispiel 2: Franziska kauft Blumenerde

Franziska achtet sehr darauf, für ihr Geld eine anständige Leistung zu bekommen. Das heißt aber nicht, dass sie stets das teuerste Produkte kauft. Franziska liest gerne Verbraucherzeitschriften und vergleicht Produkte miteinander. Über die Jahre hat sie festgestellt, dass Markenprodukte oft viel teurer sind, aber keineswegs immer erheblich besser. Sie ist heute auf dem Weg in den Baumarkt um ein Produkt zu kaufen, mit dem sie sich allerdings vorher nicht befasst hat: Sie braucht Blumenerde.

Tatsächlich hatte sie schon den halben Vormittag damit verbracht, auszurechnen, wie viele Sack Blumenerde wohl in ihre zahlreichen Pflanzgefäße passen, was schon reichlich an ihren Nerven gezerrt hat. Im Baumarkt angekommen steht sie vor einer nicht enden wollenden Auswahl Blumenerde: Blumenerde in unterschiedlichen Gebindegrößen, mal 2,5 l, mal 10 l, mal 20 l und außerdem in unterschiedlicher Qualität. Immerhin kennt sie jetzt schon die Menge, die Sie brauchen wird. Im Übrigen aber steht sie der Herausforderung relativ hilflos gegenüber.

Franziska hat über die Jahre beobachtet, dass sie mit Produkten unzufrieden war, die ganz am untersten Ende des Preisspektrums lagen. Bei Produkten am obersten Rand des Preispektrums hat sich Franziska aber andererseits oft gedacht, dass der sehr hohe Preis im Ergebnis doch nicht gerechtfertigt war. Am zufriedensten war Franziska mit den Produkten die preislich etwas oberhalb der Mitte lagen. Angesichts der vielen verschiedenen Verpackungsgrößen kann sie nicht ohne weiteres erkennen, welche Produkte zu den teuersten und welche zu den billigen gehören.

Susanne und Franziska haben einen Verbündeten: den Grundpreis!

Als Grundpreis wird der Preis bezeichnet, der sich nicht auf die tatsächlich in der konkreten Verpackung enthaltene Menge eines Produkts bezieht, sondern auf eine Grundgröße, oft z.B. 1 l oder 1 kg. Hierdurch werden unterschiedliche Produkte von unterschiedlichen Anbietern auf einen Blick vergleichbar.

Der Grundpreis muss klar erkennbar und lesbar angegeben werden und zwar so, dass er eindeutig einem bestimmten Produkt zuzuordnen ist. In der Regel wird der Grundpreis kleiner sichtbar gemacht als der sogenannte Endpreis (auch Gebinde-Preis genannt), aber in dessen unmittelbarer Nähe angegeben.

Nach den gesetzlichen Vorgaben ist die Angabe des Grundpreises aber nur verpflichtend bei Produkten, die nach Gewicht, Volumen, Fläche oder Länge verkauft werden.

Gelegentlich kann bei Produkten, die nach Volumen oder Gewicht verkauft werden, ausnahmsweise auch eine abweichende Bezugsgröße verwendet werden, nämlich 100 ml (bei Volumen) bzw. 100 g (bei Gewicht). Tatsächlich wird diese Ausnahme aber oft falsch verwendet. Nach dem Wortlaut der Richtlinie und der deutschen Verordnung ist die Angabe mit einer Bezugsgröße 100 g bzw. 100 ml nur dann zulässig, wenn das entsprechende Produkt üblicherweise (!) in einem Gebinde bereitgestellt wird, dass kleiner als 250 ml bzw. 250 g ist. Es kommt also nicht auf die konkrete Darreichungsform des einzelnen Produktes an, sondern darauf wie entsprechende Produkte üblicherweise verkauft bzw. verpackt werden.

Bohnen in Dose. In den Grundpreis wurde auch das Wasser eingerechnet.
Schwarze Bohnen in einer Dose. In den Grundpreis wurde hier auch das Wasser eingerechnet.

Bei Nahrungsmitteln in Dosen muss sich der Grundpreis auf das „Abtropfgewicht“ beziehen. Dies ist das Gewicht des (noch feuchten) Inhalts, nach dem die Flüssigkeit weggegossen wurde.

Ausnahmen

Die Preisangabenverordnung kennt eine Reihe von Ausnahmen. Zu den praktisch wichtigsten Ausnahmen gehören einige kosmetischen Produkte, Parfums und sog. Kleinstgebinde (unter 10 g bzw. unter 10 ml Füllmenge).

Außerdem besteht keine Verpflichtung zur Angabe eines Grundpreises bei Sets und sog. „Technischen Lösungen“ (z.B. Druckerpatronen). Ein Set liegt vor, wenn (ungleiche) Waren zusammen verkauft werden (z.B. Lack mit Pinsel). Kein Set hingegen liegt vor, wenn mehrere gleichartige Waren in gemeinsamer Umverpackung verkauft werden (z.B. 6 × 1,5 l Limonade).

Praktische Hilfe für Franziska und Susanne

Ein Blick auf den Grundpreis verrät Susanne, dass die Cola der Marke A 0,30 € pro Liter und die Marke B 0,31 € pro Liter kostet. Weil ihr beide Marken gleich recht sind, kauft sie die günstigere Marke A.

Franziska andererseits sieht anhand des Grundpreises relativ einfach, dass sich das Preisspektrum für Blumenerde zwischen 0,24 € und 2,80 € pro Liter erstreckt. Sie sucht in der Preisregion oberhalb der Mitte zischen 1,50 € und 2,00 € wählt sie ein Produkt, dass eine ökologische Zertifizierung aufweist. Mit Hilfe des Grundpreises konnten beide eine informierte Verbraucherentscheidung treffen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von konsumentenbund | Deutscher Konsumentenbund e.V.
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