Discounter|

Sommer, Sonne, Meer, Aldi, Lidl, REWE; die Chancen stehen gut, dass Sie sich ganz wie zuhause fühlten, als Sie in den letzten 10 Jahren zwischen Bulgarien und Portugal Urlaub gemacht haben.

Die deutschen Discounter haben Europa im Sturm genommen. Allen voran LIDL, der vor allem die süd- und osteuropäischen Staaten als Ziel für eine atemberaubende Expansion ausgemacht hat. ALDI hat sich Europa zwischen den Unternehmen ALDI Nord und ALDI Süd aufgeteilt. Die lokale Konkurrenz? Wo es sie überhaupt gegeben hatte, wurde sie weggefegt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mit weltweit jeweils rd. 100 Mrd. Euro Umsatz kämpfen die beiden deutschen Discounter in einer anderen Gewichtsklasse als die Mitbewerber. Nur noch die französische Carrefour-Gruppe erzielt ähnliche Umsatzzahlen. Die übrigen Mitbewerber muten wie Zwerge an.

Obwohl es mit Carrefour und TESCO (rd. 50 Mrd. € Umsatz), sowie Intermarché (36 Mrd. € Umsatz) auch außerhalb des Deutsch-Österreichischen Blocks relativ große Handelsunternehmen gibt, wird der Einzelhandel (insbesondere der Lebensmittelhandel) in der Europäischen Union als klare deutsche Domäne wahrgenommen. Die britischen Mitbewerber Marks & Spencer (10 Mrd. € Umsatz), J Sainsbury plc und der Walmart-Tochter ASDA (20 Mrd. € Umsatz) muten gegen die deutsche Übermacht hiergegen geradezu winzig an und auch lokale Traditionsgesellschaften, wie die kroatische Kette Konzum übernimmt zu erheblichen Teilen Sortimente aus Deutschland.

Ein LIDL-Markt in Portugal

Außerhalb des so genannten “Germano-Blocks” wird diese Vormachtstellung oft kritisch gesehen. Führt sie doch faktisch zu einer Vereinheitlichung der Sortimente. Obwohl etwa Lidl und Aldi in einigen Ländern Baugenehmigungen nur unter Auflage erhalten haben, dass (meist für eine Zeit von 10 oder 15 Jahren) ein bestimmter Warenteil von örtlichen Anbietern bezogen werden muss, findet faktisch eine extreme Vereinheitlichung des Sortimentes statt. 

LIDL-Markt in Polen

In einigen Teilen Europas wird dies als “Germanisierung durch den Kühlschrank” wahrgenommen. In den Ländern des Balkans, in denen Deutsche Handelskonzerne (gemeinsam mit Österreichischen Banken) faktisch alle lokalen Anbieter vom Markt verdrängt haben, wird gelegentlich von einer “LIDL-Kolonisierung” gesprochen. Es kommt hinzu, dass es in diesen Länden oft keine eigenen Entscheidungsstrukturen mehr gibt. Sämtliche unternehmerischen Entscheidungen werden von Deutschland oder Österreich aus getroffen und für lokale Mitarbeiter ist ein Aufstieg im Unternehmen oft nur möglich, wenn sie fließend Deutsch sprechen und nach Deutschland ziehen.

Union der Gleichen, … mit Verbrauchern zweiter Klasse?​

Zwar beziehen die dominanten deutschen Discounter-Ketten, vor allem ALDI und LIDL erhebliche Menschen an Fleisch, Wurstwaren und Gemüse aus Mittel- und Osteuropa, vor Ort ist aber auch die Vorstellung weit verbreitet, dass dadurch “die besten Stücke” aus der Produktion automatisch nach Deutschland gehen und für den lokalen Markt noch noch mittlere und schlechtere Qualität zum Verkauf bleibt.

Konkret geht es darum, dass einzelne Produkte einen geringeren Fleischanteil bzw. einen höheren Zuckerzusatz hätten. Die EU-Kommission führt unter der Bezeichnung “Dual quality of products in the Single Market” derzeit Untersuchungen und Konsultationen durch.

Die Handelsunternehmen bestreiten dies, mussten allerdings zugeben, dass die Rezepturen von Produkten, darunter Kaffee und Brotaufstriche, nicht identisch sind. Händler und Hersteller beteuern, dass es sich dabei angeblich nur um Anpassungen an lokale Geschmacksvorlieben handele.

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