Evidenzbasierte Patienteninformationen

Heilen, Helfen, Lindern, Vorbeugen. Kann dies. Kann das. Studien zeigen… Ständig werden Verbraucherinnen und Verbraucher mit den unterschiedlichsten gesundheitsbezogenen Werbeaussagen konfrontiert. Von der Gesundheits-App bis zum "Healthfood": Alles wird gravitätisch gesundheitsbezogen aufgeladen.

Wir möchten die Gesundheitswerbung von verschiedenen Seiten beleuchten. Experten nehmen auf unterschiedlichste Weise Stellung. Mediziner, Physiker, Psychologen, Wahrnehmungspsychologen, Geisteswissenschaftler, Apotheker - sie alle haben einen einzigartigen Blick auf die Homöopathie und auch auf ihre derzeitige Stellung im Gesundheitssystem.

Informationsnetzwerk Homöopathie

So etwas wie eine deutsche Besonderheit ist - ungeachtet ihrer weiltweiten Bekanntheit - die so genannte "Homöopathie". Deutschland ist das Ursprungsland der von Samuel Hahnemann in der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erfundenen Methode. Sie hat trotz der Entwicklung der modernen Medizin, mit der sie unvereinbar ist, bis heute fortexistiert.

In Deutschland war die Homöopathie Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu bedeutungslos, erfuhr danach jedoch wieder durch die Initiative einzelner Mediziner einen gewissen Aufschwung und wurde auch als "Laienheilermethode" praktiziert. Dieser Aufschwung fand wieder ein Ende, als sich die Erwartungen, es zeichne sich hier eine "neue germanische Medizin" ab, durch die negativen Ergebnisse der Versuchsreihen des Reichsgesundheitsamtes (1936 - 1939) in Nichts auflösten. Zu den Zeiten der Hochblüte des Neomystizismus in den 1960er und 1970er Jahren kam es zu einem erneuten Wiedererstarken der Homöopathie, der Ausbildung starker Lobbyverbände und der Verfestigung wirtschaftlicher Interessen. Obwohl die Wissenschaften diese Ära des "Guten aus verschiedenen Welten", eines "Pluralismus in der Medizin"  längst zugunsten belastbarer (evidenter) Erkenntnisse überwunden haben, existiert die Homöopathie in Deutschland sogar als Teil des Gesundheitswesens fort. Dabei genießt sie auch noch Privilegien als eine der "besonderen Therapierichtungen" nach dem Arzneimittelgesetz. Durch massive politische Einflussnahme wurde aus einer überholten, unwissenschaftlichen Außenseitermethode ein Geschäft mit einem hohen dreistelligen Millionenumsatz jährlich - allein in Deutschland, allein für die homöopathischen Mittel (ohne Kosten für die Behandler).

In Diskussionen um die Homöopathie begegnet man immer wieder den gleichen "Argumenten". Wir werden uns hier nach und nach mit den häufigsten davon auseinandersetzen. Oft wird dabei deutlich werden, dass haarscharf daneben argumentiert eben auch daneben ist - selbst wenn es gut klingt. Bei der Gesundheit, einem so kostbaren Gut, lohnt sich ein genauer Blick. Und manchmal auch ein zweiter und dritter.

Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen von der GWUP und vielen Freiwilligen haben wir das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) aus der Taufe gehoben, welches wir kofinanzieren. Das INH bietet sachliche, allgemeinverständliche Informationen zur Homöopathie und will damit umfassende Aufklärungsarbeit leisten. Projekte des Informationsnetzwerks sind die Homöopedia, ein wissenschaftlich fundiertes Online-Lexikon zur fachlichen Recherche über Homöopathie-Themen, und die Familienseite "Susannchen braucht keine Globuli", die vor allem Eltern und deren Kinder mit der Überzeugung erreichen will, dass es für ein natürliches, gesundes Aufwachsen keine Pseudomedizin braucht und dabei auch ein Themenspektrum über die Homöopathie hinaus bedient (z.B. das Impfwesen).

Überwachung des Gesundheitsmarktes: eine wohlorganisierte Unzuständigkeit

In Deutschland gibt es für alles ein Gesetz, eine Behörde und ein Formular. So falsch ist das nicht. Tatsächlich hat Deutschland im weltweiten Vergleich ein sehr hohes Schutzniveau für Verbraucher und Patienten. Jedenfalls in der Theorie ist dies richtig.

Deutschland hat eine extrem segmentierte Aufsichtsstruktur. Den Ärzte- und Zahnärztekammern obliegt z.B. die Aufsicht über approbierte und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, den Gesundheitsämtern die Aufsicht über Heilpraktiker, aber nur diejenige, die in ihrem jeweiligen Bezirk praktizieren. In der Praxis ist zu beobachten, dass jede Seite gern mit dem Finger auf die jeweils andere zeigt und sich unzuständig fühlt.

In der Praxis führt dies zu extremen Überwachungslücken: Geistheilerei wird in Deutschland faktisch nicht überwacht, ebensowenig Heilpraktiker, die Ihr Gewerbe (rechtswidrigerweise) als Reisegewerbe praktizieren. Für die Kontrolle von Wellness-Anbietern und Lebensmittelproduzenten fühlen sich die Gewerbeämter unzureichend ausgestattet und die Gesundheitsämter oft unzuständig. Unser Verband sieht sich in der Pflicht, im Rahmen seiner Möglichkeiten, auch eine Marktüberwachung als Querschnittsüberwachung zu praktizieren: wir führen jährliche mehrere Verfügungs- und Klageverfahren, in denen es um unzulässige, gesundheitsbezogene  Werbeaussagen geht, gleich ob von Seiten eines gewerblichen Anbieters, eines Apothekers, eines Heilpraktikers, eines Arztes, einer Klinik oder eines Pharmaherstellers. Dabei überschneidet sich das Thema in der Praxis häufig mit dem Bereich Esoterik und Lebenshilfe.

Sie möchten uns helfen, mehr zu tun? Das freut uns natürlich! Insbesondere das Durchsetzen von Verbraucherrechten kostet uns reichlich Geld. Zwar gewinnen wir eine sehr große Zahl der Verfahren, aber gelegentlich müssen wir auch Verfahren mit ungewissem Ausgang führen, zum Beispiel um Rechtsklarheit zu erzeugen. Außerdem müssen wir Gutachterkosten und Gerichtskosten stets vorfinanzieren. Im Bereich Unterlassungsklagen können Sie konkret für einzelne Prozesskampagnen spenden.