Wie sind „Erfolge“ der Homöopathie zu erklären?


Über „Erfolge“ der Homöopathie wird viel berichtet, oft wird zur Rechtfertigung der Methode dann noch der bekräftigende Satz „Wer heilt, hat Recht“ hinzugefügt. Häufig wird dann auch noch kommentiert mit „Wir wissen nicht, wie es wirkt, aber wir sehen, dass es wirkt!“.

Diese „Wirkungen“ jedoch sind eine Mischung aus sogenannten Kontexteffekten, die bei jeder Art von Behandlung oder überhaupt sorgender Zuwendung auftreten und der völligen Überbewertung persönlicher Einzelerfahrungen und haben mit der „Methode Homöopathie“ überhaupt nichts zu tun.

Einzelerfahrungen im Sinne von „Mir / meiner Familie / meinen Patienten in der Praxis hat es aber geholfen!“ sind fraglos „wirklich“, ihre Gültigkeit für den, der sie erlebt, ist unbestreitbar. Nur sind sie niemals Grundlage für allgemeingültige Aussagen. Sie sind einerseits zahlenmäßig zu gering, um grundsätzliche Zusammenhänge nachzuweisen und andererseits unvermeidlich geprägt vom sogenannten „Bestätigungsfehler“ (confirmation bias), einem meist weit unterschätzten Wahrnehmungsproblem, das unser persönliches einzelnes Urteil in hohem Maße unzuverlässig macht. Eine der bahnbrechenden Erkenntnisse der Wissenschaft ist, dass auf allgemeingültige Ergebnisse nur geschlossen werden kann, wenn in möglichst umfangreichen Untersuchungen möglichst alle subjektiven Einflüsse (es gibt noch mehr als den confirmation bias) ausgeschaltet werden (z.B. durch Verblindung aller Teilnehmer sowohl der Versuchsgruppen als auch der Studienleiter und auch der Auswerter, durch Vergleichsgruppen, von denen die eine das zu prüfende Mittel erhält und die andere ein Placebo oder die gültige Standardbehandlung und manches mehr). Erst auf diese Weise nähert man sich der Wahrscheinlichkeit einer begründbaren Aussage an.

So durchgeführte Untersuchungen (klinische Studien) haben, soweit die notwendigen Qualitätsstandards eingehalten wurden, nie einen Vorteil von homöopathischen Behandlungen gegenüber der Gabe von Placebo ergeben – jenseits jeder persönlichen Einzelerfahrung.

Der Eindruck des persönlich erfahrenen Erfolges, der „Wirkung“ der Homöopathie, wird natürlich durchaus von tatsächlich beobachteten Effekten gestützt. Dabei handelt es sich aber nicht um etwas, „das die Homöopathen (noch) nicht erklären können“, wie es dazu oft heißt. Heute wissen wir über die sogenannten psychogenen Effekte bei einer Behandlung und über die Selbstheilungskräfte des Körpers gut Bescheid und können die „Wirkungen“ der Homöopathie damit zwanglos erklären.

Der Placeboeffekt („Es wird mir gut tun“) nach einer Behandlung oder der Erfahrung eines freundlichen „Kümmerns“ ist nur einer davon. Er ist keine Einbildung, kann auch messbare Reaktionen hervorrufen. Nur eines kann er nicht: Eine manifeste Erkrankung heilen. Ist eine Krankheit nicht selbstrückbildend und überschreitet die – hohe – Schwelle der Selbstheilungsfähigkeit des Körpers, ist die Homöopathie am Ende – auch vorher profitierte sie nur von den Kontexteffekten und eben der Selbstheilungsfähigkeit, nicht von einer der Methode „eigenen“ Wirkung. Homöopathie wirkt nicht über Placebo hinaus, und das rechtfertigt keine „medizinische Methode“. Denn viele als angenehm empfundene alltägliche Dinge haben Placeboeffekte, ohne dass jemand auf die Idee käme, drumherum ein medizinisches Ritual aufzubauen und dies als Therapie zu verkaufen. Und bei einer regelrechten medizinischen Behandlung tritt der Placeboeffekt ebenso auf, nur kommt hier der spezifische Effekt der wissenschaftlich fundierten Behandlung noch hinzu.

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