Was ist eigentlich … Reiki?


Reiki wird häufig als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin angesehen und angeboten. Reiki ist aber weder traditionell, noch chinesisch, noch wirksame Medizin.

Woher stammt Reiki?

Reiki stammt vielmehr aus Japan. Es wurde  in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erdacht und eingeführt von Mikao Usui (1885 – 1926) und ist damit gerade einmal knapp als 100 Jahre alt. Die Behauptung, Usui habe Reiki als alte traditionelle Methode „wiederentdeckt“, ist unbelegt. Um Usui gibt es in der Reiki-Szene einen regelrechten Personenkult. Große Teile seiner „offiziellen“ Biografie sind unbelegt, angeblich sei er Christ und Professor an einer christlichen Hochschule in Kyoto gewesen, seinen Doktortitel habe er in den USA erworben und länger in Indien gelebt, um Sanskrit zu erlernen. All dies darf als Mythos gelten.

Bezeichnenderweise spinnt sich um die „Entdeckung“ des Reiki eine klassische Legende. Mikao Usui soll am Ende einer 21-tägigen Fastenkur auf dem Berg Kurama eine Vision gehabt haben: ein Lichtstrahl traf seine Stirn und öffnete sein „drittes Auge“, wodurch ihm das „Geheimnis des geistigen Heilens“ enthüllt und der Zugang zur „universalen Lebensenergie“ geöffnet worden sein soll. Eine Abart unzähliger anderer solcher Geschichten – und keineswegs originell.

1922 eröffnete er dann eine Heilerpraxis in Tokio und rief die „Usui-Gesellschaft für das Reiki-Heilungssystem“ ins Leben. Bis zu seinem Tod 1925 bildete er 18 „Reiki-Meister“ aus.

Was ist Reiki?

Reiki gehört zu den Lehren, die auf einer angeblichen „universellen Lebensenergie“ beruhen. In Japan wird dies durch die sogenannte Ki-Bewegung repräsentiert. Ki oder Chi wird verstanden als unpersönliche Natur- und Seelenkraft, die als Energie die ganze Welt durchwirkt und die Grundlage des Lebens bildet. Bezeichnend ist der Name: „Rei“ steht für Seele und „ki“ für Lebensenergie.

Diese Energie sollen nun Reiki-Heiler durch das ritualisierte Auflegen ihrer Hände auf den Körper übertragen. Usui machte dabei Anleihen bei der indischen Chakrenlehre.

Auf der Vorstellung eines „Energieflusses“, eines imaginären „Ki“ oder „Chi“ folgen viele andere fernöstliche Lehren. Die bekannteste davon dürfte die Akupunktur (ein Teil der TCM) sein, die allerdings das Chi durch die Nadelungen bestimmter Punkte „ableiten“ soll. Wohl kaum zu vereinbaren mit der Grundidee des Reiki, das „Ki“ durch die Hände des Heilers „einleiten“ will…

Die wissenschaftliche Medizin kennt etwas Derartiges nicht und braucht es auch nicht, denn es gibt keinen Vorgang in Biologie und Medizin, der sich nicht ohne die Annahme eines „Ki“ oder „Chi“, einer in ständigem Fluss befindlichen „Lebenskraft“ erklären ließe. Eine spezifische medizinische Wirkung ist allein deshalb von Reiki nicht zu erwarten.

Spirituell-esoterischer Überbau

Durch den spirituell-esoterischen Überbau, die „Lehre“, die Usui dem Reiki unterlegte, wird die Geschichte auch nicht gerade vertrauenerweckender. Er versah Reiki mit den Merkmalen einer teilweise nur Eingeweihten zugänglichen Geheimlehre.

Für die „Eingeweihten“ gibt es drei verschiedene „Initiationsgrade“, also Hierarchien – typisch für esoterische Lehren, denn Esoterik bedeutet „geheimes, nur inneren Zirkeln zugängliches Wissen“. Traditionell wird mit der vierten Stufe der Grad eines Lehrers erreicht ist. Angebote zum Erwerb solcher Grade in Reiki-Instituten dürften mindestens ebenso lukrativ sein wie die „Therapien“ selbst.

Das „Handauflegen“ beim Reiki wird mit Reiki-Symbolen verbunden, die unter Nennung des Symbolnamens auf die Haut des Klienten gemalt werden, um das „Ki“ je nach Wunsch zu „kanalisieren“.

Reiki – hat es einen therapeutischen Wert?

Nicht verwunderlich ist, dass Reiki sich als „Exportartikel“ außerhalb Japans sich an die soziokulturellen Bedingungen der jeweiligen Länder anpasste. Neben den Hauptrichtungen des „traditionellen“ und des „westlichen“ Reiki gibt es mittlerweile unzählige Strömungen. Das verwundert nicht, fühlten sich doch viele Reiki-„Meister“ berufen, ihre eigenen „Schulen“ zu begründen. Zudem ist diese Diversität ein Zeichen für die fehlende wissenschaftliche Grundlage, das einheitliche Fundament der Methode.

Gibt es Untersuchungen zur Wirksamkeit von Reiki? Ja, es gibt zahlreiche Arbeiten. Eine gut durchgeführte (verblindete und gegen Placebo kontrollierte) Studie aus dem Jahre 2010 dokumentiert die Auswirkungen von Reiki und Scheinbehandlung an 100 Fibromyalgie-Kranken. [1] Es zeigte sich, dass es völlig gleichgültig war, ob die Teilnehmer von einem „richtigen“, also in die Reiki-Methode „eingeweihten“ Heiler behandelt wurden oder von einem Schauspieler, der als Heiler auftat und ein Behandlungssetting imitierte. Damit ist geklärt, dass Reiki keinen spezifischen medizinischen Effekt hat, sondern allenfalls Placeboeffekte hervorbringen kann – was bei dem umfangreichen „Wellness-Setting“ des Reiki erwartbar ist.

Nachteile

Wie bei allen pseudomedizinischen Methoden muss vor der Gefahr gewarnt werden, dass durch falsches Vertrauen in Reiki die Gefahr einer Therapieverschleppung oder gar -verhinderung bei ernsthafteten Krankheiten besteht, bei denen die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht ausreichen.

Beim Reiki kommt noch hinzu, dass der esoterische Überbau und die Hierarchie der Lehre mit der Gefahr der Ausbildung sektenartiger Strukturen verbunden ist. Schon das „Setting“ mit einer mystisch-fernöstlichen Stimmung und oft einer Art Laien-Psychotherapie kann dafür den Boden bereiten. Letztlich steckt hinter Reiki aber auch eine Ideologie, die auf Beeinflussung des Patienten, wenn nicht Machtausübung, gerichtet ist. Das macht Reiki für Sekten und sektenähnliche Vereinigungen als „Einstieg“ für neue Klienten attraktiv. Nicht zuletzt spielt dabei auch die „Pseudo-Kompetenz“ eine Rolle, die sich die Methode und ihre Szene durch die hierarchischen Stufen der „Einweihung“ in die Lehre selbst zuschreibt.

Fazit

Wer Reiki als eine Art spezieller Meditation oder Wellness sieht und betreibt – keine Einwände. Wenn Reiki als relevante Heilmethode, womöglich mit erkennbar esoterischer Ausprägung angeboten oder gar – teure – Ausbildung in Reiki-„Kompetenzen“ offeriert wird, ist klar abzuraten.

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[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3116531/

Bild mit freundlicher Genehmigung von Pixabay C