Britt Hermes mit Preis

Huber ./. Hermes: Die Falschen geschubst


Frau Hermes bloggt regelmäßig über Pseudomedizin. Sie weiß worüber sie schreibt, denn sie war selbst das was man in den USA einen „Neuropathic Doctor“ nennt. Heute stellt sie Verfahren und angebliche „Therapien“ der angeblichen „Naturheiler“ in ihrem Blog „Naturopathic Diaries“ bloß. Dafür wird sie nun von einer amerikanischen „Naturheilpraktikerin“ verklagt.

Kaum jemand kommt als in der Wolle gefärbte Skeptikerin zur Welt. Für viele – vermutlich für die weitaus meisten – ist eine rationale Haltung, gerade wenn es um Gesundheit und Medizin gehtm nichts, was einfach und schnell bei der Hand läge. Skeptisch zu sein gegenüber vermeintlichen Wundertaten beschreibt eine Haltung, wie Skeptischwerden einen Prozess beschreibt. Britt Hermes unterscheidet sich dort kaum von anderen Rationalisten und Skeptikern. Und doch ist der Fall besonders.

Kritik an Pseudomedizin

Der Fall Britt Hermes verdeutlicht einen fundamentalen Unterschied zwischen Anwendern von Pseudomedizin und ihren Kritikern. Auf der Seite der Pseudomedizin geht es um veritable wirtschaftliche Interessen. Gleich ob Wunderheiler, Astrologe oder homöopathischer Pharma-Konzern: Es geht um Geschäfte machen und Geld. Und teils geht es um sehr viel Geld, während auf der anderen Seite Pseudomedizin-Kritik in der Nische oder gänzlich ehrenamtlich betrieben wird.

Es ist eine altbekannte Weisheit, dass mit dem Verkauf von Wunschträumen und Schlangenöl manch ein Vermögen gemacht wurde. Skeptiker und Rationalisten müssen sich deshalb umso mehr darauf verlassen können, dass sie nicht alleine stehen, wenn es hart auf hart kommt. Dabei geht es nicht nur um das Selbstbild der Skeptiker und den individuellen Anstand. Vielmehr geht es auch um ein Signal, das die skeptische Gemeinschaft in jedem einzelnen dieser Fälle aussenden kann. Dies hat nichts mit Selbstvergewisserung zu tun, sondern damit, ein entschiedenes Signal in die Reihen der Geistheiler, der Heilpraktiker und Pseudomediziner zu senden.

Viele Skeptikerin und Skeptiker hingen – bevor die skeptisch wurden – einem irrationalen Überzeugungssystem an, praktizierten Pseudomedizin selbst oder glaubten an para-wissenschaftliche Phänomene. Die skeptische Gemeinschaft kann zeigen, dass es keine Skeptiker erster oder zweiter Klasse gibt, dass in ihren Reihen jeder willkommen sein kann und dass es ein fundamentales Netz der Solidarität von und für Skeptiker und Rationalisten gibt.

Wir werden besser … mit jedem Fall

Die vergangenen Jahre haben den Wasser-Prozess in Österreich und den Wundermagneten-Prozess in Deutschland gesehen. Sie sahen daneben auch, wie ehemalige Pseudomedizin-Anwender die Seiten wechselten und dafür aus dem Lager der Pseudomedizin teils heftig, persönlich und weit unterhalb der Gürtellinie kritisiert worden.

Bei nüchterner Betrachtungsweise müssen wir uns eingestehen, dass die skeptische Gemeinschaft diesbezüglich nicht immer und ausnahmslos glücklich agiert hat, wenn es darum ging, ihre (neuen) Mitglieder vor Vergeltungsmaßnahmen zu schützen. Ebenso nüchtern betrachtet wird man aber auch sagen können, dass wir von Mal zu Mal besser wurden. Und wir müssen noch deutlich besser werden, denn nach einem Fall Grams gab es einen Fall Müller gibt es einen Fall Hermes, und der Fall Hermes wird – da bedarf es keiner prophetischen Gaben – sicherlich auch nicht der letzte Fall sein.

Und noch eines sollte dabei nicht unbeachtet bleiben: Es mehren sich aus meiner Sicht die Anzeichen dafür, dass gewerbliche Schlangenöl-Verkäufer und Pseudomedizin-Anwender möglicherweise glauben, man habe besonders leichtes Spiel, wenn es darum geht, auf skeptische Frauen einzuschlagen. Damit mögen sich die dortigen Akteure als im Einklang mit einem vermeintlichen Zeitgeist sehen. Meine Einschätzung ist aber, dass sie damit daneben liegen und dass sie sehr bald erkennen werden, dass sie sich die Falschen zum Rumschubsen ausgesucht haben.

Eine Spende für den Prozesskosten-Fond Britt Hermes setzt hier ein Signal!

Iwona Szczeblewski
VORSTAND

Beitragsbild: AlasdhairJohnston (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Bild mit freundlicher Genehmigung von By AlasdhairJohnston (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

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