Auch LG München I untersagt irrführende Werbung für sog. „Dorn-Therapie“

Justizpalas München

Für die Dorn-Therapie darf nicht irreführend geworben werden. Das sieht nun auch das Landgericht München I so und untersagte einer gewerbsmäßig nach dem Heilpraktikergesetz tätigen Person eine Vielzahl von Werbeaussagen.

Der Sägewerksbetreiber und Landwirt Dieter Dorn hat die von ihm nach ihm selbst benannte Methode in den 1970er Jahren erfunden. Dabei bediente er sich allerlei verquerer Vorstellungen über die Wirkweise seiner „Methode“ und ordnet „Fehlstellungen“ einzelner Wirbel gleich auch organische Erkrankungen wie Kurzsichtigkeit oder Diabetes zu. In der Vorstellungswelt von Dorn alles eine Folge eines „schiefen“ Beckens bzw. „draußener“ (sic!) Wirbel.

Entsprechend schräg waren auch die Werbeaussagen, um die es im Verfahren vor dem Landgericht Münden I ging: selbst bei „Hämorrhoiden“ und „häufigem Harndrang“ sollte eine Dorn-Behandlung helfen.

Wissenschaftliche Belege gibt es dafür indes nicht. Unser Verband nahm den gewerblich heilende Person daher wegen Irreführung auf Unterlassen in Anspruch. Mit Erfolg: Unserem Untersagungsbegehren wurde in allen 14 Punkten Recht gegeben.

In den Gründen wurde die Kammer auch deutlich, als es um das Verhalten des Anwalts der Gegenseite ging:

„Die Antragsgegnerin ist dem auf die Abmahnung hin – wiewohl anwaltlich vertreten – nicht inhaltlich entgegengetreten, sondern hat nur – insoweit unzutreffend (vgl. z.B. OLG München v. 16.06.2016 – Az. 6 U 4300/15) – auf eine angebliche Vorrangigkeit des HWG im Hinblick auf den Unterlassungsanspruch hingewiesen.“

Das Verfahren wurde übrigens als Kammerentscheidung unter Beteiligung von gleich drei Berufsrichtern gefällt.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Berthold Werner