Themenseite Homöopathie

»Eine individuelle, ganzheitliche, sanfte Naturmedizin
ohne Chemie und ohne Nebenwirkungen.«

... heißt es!

Nicht der Stoff, der „Geist“ soll heilen

Diese Stoffe sollen auf besondere Art wirken. Sie werden entweder immer wieder mit Milchzucker trocken verrieben oder schrittweise mit Wasser oder Alkohol verdünnt und dabei nach jedem Verdünnungsschritt nach genauer Vorschrift durch geschüttelt. Dieses „Potenzieren“ setzt – laut Homöopathie – den angeblichen „Geist“ des Stoffes frei.

Verdünnen, bis nichts mehr da ist

Das „Potenzieren“ geht so: Eine Substanz wird im Verhältnis 1:10 mit einem Wasser-Alkohol-Gemisch verdünnt. Das nennt sich D1. Im nächsten Schritt wird wieder 1:10 verdünnt, dann noch einmal und noch einmal und so fort. Üblich sind auch Verdünnungsschritte im Verhältnis 1:100 – C genannt.

Stellen Sie sich eine einzige Tablette vor, verteilt auf alle Meere der Welt. Würden Sie dann auf die Heilkraft eines Tropfens Meer wasser setzen? Nein? Nach den Regeln der Homöopathie wäre das aber noch eine eher niedrige Verdünnung, nämlich etwa D13. Homöopathen verschreiben oft noch viel stärkere Verdünnungen, z. B. D30-Mittel. Das entspräche einem Tropfen des Ausgangs stoffes verteilt in einer Wasserkugel weit größer als unser Sonnensystem! Solche Verdünnungen gelangen dann als Tropfen, auf Zuckerkügelchen (Globuli) gesprüht, in Fläschchen gefüllt oder in Salben als Heilmittel auf den Markt. In diesen angeblichen Heilmitteln ist jedoch.

Was auf dem Etikett steht, ist nicht drin. Wie sollen die Mittel dann aber wirken?

Den „freigesetzten Geist“ erklärt man heute so: Mit jedem Potenzierungsschritt präge sich die „Information“ des Stoffes dem Lösungsmittel immer stärker ein. Wasser hat aber kein Gedächtnis: Wassermoleküle verbinden und trennen sich in Millionstel von Sekundenbruchteilen – da ist ein „Erinnern“ unmöglich! Überdiessind in jedem Lösungsmittel auch Verunreinigungen, und diese werden mitgeschüttelt. Wie entscheiden aber das Wasser und die Arznei, welche der vielen Informationen eingeprägt werden sollen? Darauf wissen die Homöopathen keine Antwort.

Homöopathie zielt nicht auf Krankheitsursachen, sondern nur auf die Symptome

Hahnemann führte die Patientenbefragung ein, und seine hoch­ verdünnten Mittel waren völlig harmlos. Das war ein Fortschritt. Doch eine Diagnose im heutigen Sinn stellt man in der Homöopathie nicht. Stattdessen erfasst das ausführliche Gespräch die „Konstitution“ des Patienten sowie Beschwerden und Symptome, die er nennt. Behandelt werden dement sprechend nur die Symptome, nicht aber die Ursachen einer Krankheit, zum Beispiel Bakterien.

Was kommt rein ins Homöopathikum?

Homöopathie ist anders, als viele denken. Verleitet durch die Werbung von Homöopathie-Konzernen bringen viele Verbraucher die Homöopathie mit "rein pflanzlich" oder Pflanzenheilkunde in Verbindung. Grundsätzlich kann (nach dem Selbstverständnis der Homöopathie) aus allem ein "Homöopathikum" entstehen, auch aus Pflanzen.

Die Tropfen, Globuli, Tabletten, Salben und Injektionslösungen werden häufig aus ganz anderem Material hergestellt: giftigen chemischen Elementen, Tier und sogar Krankheitsprodukten – darunter auch, was wenig bekannt ist, Gruseliges wie etwa Fliegenpilze, Schlangengift, Speichel tollwütiger Hunde, Kopfläuse, Kakerlaken, Hundekot, Eiter, Krebs und Leprazellen, Arsen, Quecksilber und Plutonium.

Aufgrund der meist gigantischen Verdünnung allerdings ist von allen Ausgangsstoffen und damit auch von diesen Ekligkeiten in der Regel kein einziges Molekül mehr im Homöopathikum enthalten.  

Pflanzenheilkunde hat nichts mit Homöopathie zu tun.

Eine Liste mit vielen weiteren zum Teil höchst abstrusen Ursubstanzen bzw. "materia medica" hat die GWUP zusammengestellt (PDF). Darunter findet sich auch die so genannte energetische Mittel („Strahlen“, „Felder“).

Wurde der Erfolg von Homöopathie jemals überprüft?

Ob Homöopathika wirksam sind, kann man nicht an Einzelfällen testen, sondern nur durch kontrollierte, doppelt verblindete Studien: Eine Patientengruppe erhält das Mittel und eine Kontrollgruppe ein Scheinmittel, und weder sie noch die behandeln den Ärzte dürfen wissen, wer das echte und wer das Scheinmittel bekommt. Eine Arznei gilt mit Recht nur dann als wirksam, wenn ihre Heilwirkung über Placebo Effekte hinausgeht.

Zur Heilwirkung von Homöopathika gibt es bisher um die 200 Studien. Die meisten sind jedoch mangelhaft und genügen nicht den üblichen wissenschaftlichen Standards. Methodisch hochwertige, sauber verblindete Studien aber zeigen – bei Tier und Mensch – lediglich Placebo-Effekte.

Die drei Grund-Prinzipien der Homöopathie

Arzneimittel werden an Gesunden geprüft

In der wissenschaftlichen Medizin testet man in umfassen den Studien die Wirksamkeit von Medikamenten bei ganz bestimmten Krankheiten. Anders in der Homöopathie: Ein paar Freiwillige nehmen einige Tage lang ein Homöo­ pathikum ein und notieren alles, was sie in dieser Zeit an sich selbst wahrnehmen. Daraus ergibt sich das typische „Arzneimittelbild“ des Präparats. Diese Versuche – zum Teil vor über 100 Jahren durchgeführt und seitdem ungeprüft übernommen – werden meist mit „Hochpotenzen“ ge macht, die kein einziges Molekül des Ausgangsstoffs ent halten. Weil Menschen immer irgendetwas spüren, ist es nicht möglich, mit dieser Methode ein wiederholbares „typi sches Arzneimittelbild“ zu ermitteln.

Ähnliches heilt Ähnliches ("Simile-Prinzip")

Der homöopathische Arzt erfragt die Zustände und Sympto me seines Patienten und erstellt dessen „Symptom bild“. Dann wählt er jenes Mittel aus, dessen „Arzneimittelbild“ am besten zu den Beschwerden passt, und das der „Konstituti on“ des Patienten entspricht. Das bedeutet: Was bei Ge sunden bestimmte Symptome auslöst, wird Patienten ver abreicht, die ähnliche Beschwerden schildern. Ein Beispiel: Weil Bienenstiche eine schmerzhafte Schwellung auslösen, soll „zerriebene Biene“ schmerzhafte Schwellungen heilen. Da es jeglicher Erfahrung widerspricht, gilt das Ähnlichkeits prinzip als Irrtum.

"Potenzieren"

Stark verdünnte Mittel werden „Hochpotenzen“ genannt, denn Verdünnen und Verschütteln soll die Heilkraft jedes Stoffes verstärken. Kann das stimmen? Kaum. In klinischen Studien haben sich Hochpotenzen als nicht wirksam erwie sen. Das Wirkprinzip der Potenzierung widerspricht in ekla tanter Weise den Grundlagen der Wissenschaft. Homöopathie widerspricht den Naturgesetzen. Ihre Prinzipien sind auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse widerlegt.

Wie entstanden diese Ideen?

Vor 200 Jahren waren die Ursachen der meisten Krankheiten unbekannt, man wusste nichts von Bakterien, Viren oder genetischen Defekten. Mit Aderlass und hohen Dosen von Giften versuchte man Kranke zu heilen – damals war die Medizin oft blutig und schädlich.

Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755–1843), Begründer der Homöopathie, wollte sie sanfter machen und verdünnte die Gifte immer mehr. Aber er war – wie seine Zeitgenossen – geprägt von verstaubten Vorstellungen, Irrlehren und Magie glauben. So vermutete er, Krankheiten beruhten auf „Ur-Übeln“, die spezielle Charakterzüge und Beschwerden hervorbringen. All dies suchte er durch Befragen der Patienten zu erfassen und mittels Arznei die „verstimmte Lebenskraft“ wieder zu „normalisieren“

Homöopathen verweisen natürlich auf Erfolge in ihrer Praxis. Doch die „eigene Erfahrung“ beruht oft auf der einseitigen Wahrnehmung vermeintlich erfolgreicher Behandlung. Dies führt leicht zu einer subjektiven Bestätigung von Zusammen hängen, die objektiv gar nicht vorhanden sind. Zur Behandlung vonschweren Erkrankungen eignen sich Homöopathika nicht: Als man zur Zeit des Nationalsozialismus Homöopathie bei gravierenden Krankheiten einsetzte, kam es zu verheerenden Folgen. Damit ist die Homöopathie kein sinnvolles Heilverfahren. Doch Homöopathen nehmen negative Forschungsergebnisse nicht zur Kenntnis, sondern deuten sie sogar zu Erfolgen um. Sie verschließen sich neuen Erkenntnissen – ähnlich wie jene, die immer noch glauben, die Erde sei eine Scheibe. Homöopathie ist eine esoterische Ideologie.

Marketing und Werbung sind alles!

Homöopathen und ihre Pharmafirmen betreiben genauso Marketing wie andere Unternehmen der Pharmaindustrie: Sie laden Ärzte, Apotheker und Hebammen zu Tagungen und Kursen ein, umwerben Politiker, subventionieren Universitätskurse und füttern die Medien mit vorgefertigten Lobeshymnen. „Homöopathie ist sanft.“ Oder doch nicht?

Interview zur Homöopathie bei
Radio KölnCampus mit Claudia Graneis

„Mir hat es aber geholfen!“

... hört man häufig. Wie kommt es zu dieser Überzeugung? Nimmt man eine Arznei ein und die Beschwerden bessern sich nach einiger Zeit, so schreibt man das automatisch die ser Arznei zu. Tatsächlich kann der natürliche Krankheits­verlauf für die Besserung verantwortlich sein: Die meisten Erkrankungen gehen von selbst vorüber! Dass der Homöopath sich Zeit nimmt und zuhört, ist angenehm und kann allein schon Befindlichkeitsstörungen und leichte Leiden bessern.

Auch die Erwartung und Hoffnung auf Hilfe, sowie die Einnahme nach rituellen Regeln haben lindernde Wirkung – bekannt als Placebo-Effekt. Letztlich können Patienten aber nicht unterscheiden, was wirklich geholfen hat. Vertauscht man – ohne Wissen des Kranken – ein Fläschchen gegen eine beliebige andere Hochpotenz, bleibt der Erfolg gleich. Lässt man einen Patienten ohne sein Wissen Hochpotenzen einnehmen, sind sie wirkungslos. Nicht das Homöopathikum wirkt, sondern der Glaube der Patienten!

FAQ Homöopathie

Zum Weiterlesen:

  1. Norbert Aust: In Sachen Homöopathie. Eine Beweisaufnahme. Ebersdorf 2013. (im Shop von 1-2-Buch)
  2. Dr. Simon Singh, Prof. emerit. Dr. Edzard Ernst: Gesund ohne Pillen. Hanser, München 2009. (bei Google shopping suchen)
  3. Christian Weymayr, Nicole Heißmann: Die Homöopathie Lüge. Piper, München 2012. (bei Google Shopping suchen)
  4. Skeptiker. Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken. Schwerpunktheft Homöopathie, Ausgabe 3/2005. (im Online-Shop der GWUP bestellen)
  5. Website "What's the Harm" (engl.).
  6. Dr. Martin Mahner, Übersicht "Grundstoffe der Homöopathie" in Skeptiker 3/2005, S. 100 f (PDF).

Urheberrechtsangabe
Diese Seite basiert auf einem Flugblatt der GWUP und des Deutschen Konsumentenbund e.V. Für die Aufbereitung zur Darstellung im Internet ist der verantwortlich: Deutscher Konsumentenbund e.V. - Regionalverband Süd e.V.

Der Konsumentenbund hat sich im Januar 2015 einen Einrichtungs-Giganten gekrallt und wegen wiederholter Verstöße gegen die Preisangabeverordnung die Verhängung eines empfindlichen Ordnungsgelds beantragt. Das Unternehmen mit einer Bilanzsumme von weit über 10 Mio. EUR war in einem früheren Verfahren bereits zum Unterlassen verurteilt worden.Update: Das Landgericht hat mit Beschluss vom 18.05.2015 ein empfindliches Ordnungsgeld gegen das Einrichtungshaus verhängt, das dort für einigen Katzenjammer sorgen dürfte.



Symbolbild: Justizia

Nachdem unserem Verband im Dezember 2014 von einem Hinweisgeber interne Informationen über Geschäfts- und Steuerpraktiken eines Vertriebsunternehmens aus dem Bereich Multi-Level-Marketing (MLM) zugespielt wurden, haben wir Strafanzeige wegen des Verdachtes auf Steuerstraftaten (§ 370 der Abgabenordnung) in erheblichen Umfang bei dem zuständigen Finanzamt für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung des Landes Nordrhein-Westfalen gestellt.



Der Konsumentenbund koordiniert parallel zur in Kassel geplanten Messe "Spirit of Health" (24. bis 26. April 2015) ein Komplementärprogramm mit Informationen, Aktionen, Veranstaltungen und Beratung. Interessierte Personen und gesellschaftliche Gruppen, die sich an einem

Bündnis gegen Pseudomedizin und Quacksalberei zum Schaden von Kindern

beteiligen möchten sind eingeladen, sich an uns zum Zwecke der Koordination und Abstimmung zu werden. Sie erreichen uns



Konsumentenbund stellt Steuer-Strafanzeige gegen Multilevel-Marketing-Konzern

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Gegenveranstaltung zu Kasseler-MMS-Messe

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Konsumentenbund erwirkt einstweilige Verfügung gegen Eso-Anbieter

Der Konsumentenbund hat eine einstweilige Verfügung gegen einen norddeutschen Esoterikanbieter erwirkt.


Konsumentenbund mahnt mehrere Eso-Shops ab

Der Konsumentenbund hat in den vergangenen Wochen insgesamt vier Online-Anbieter von Esoterik-Artikeln auf Unterlassung in Anspruch genommen.


BGH schiebt den Praktiken von Online-Händlern einen Riegel vor.

Mit einem „Seminar“ aus dem Bereich der Esoterik versuchte ein
Anbieter Kasse zu machen. Wie in dieser Branche üblich waren die
Seminargebühren happig: 1.980,00 EUR sollte ein Verbraucher für die
Teilnahme an einem Seminar, für eine nicht wissenschaftlich