Wirkungslose Produkte?

Der Markt ist riesig! Schätzungen der Zeitungen Die Welt und Die Zeit gingen schon vor Jahren von einem Marktvolumen von über 20 Mrd. EUR aus. Viel Geld, das Menschen für völlig wirkungslose Produkte ausgeben. Die Beispiele sind vielfältig: Handy-Aufkleber, welche eine angeblich schädliche Wirkung der so genannten „Handy-Strahlen“ "neutralisieren" sollen, oder Gebilde, die lediglich durch ihr bloßes Vorhandensein Heizkosten, Strom oder Benzin sparen oder das Wachstum von Pflanzen verbessern sollten. Auch die so genannte Wasserbelebung ist hier zu nennen, sowie der umfangreiche Markt an pseudo-medizinischen Geräten. Bei aller Verschiedenheit lassen sich bei den Produkten und der Werbung dafür gemeinsame Merkmale feststellen, die sie als Scharlatanerie identifizieren oder zumindest fragwürdig erscheinen lassen.

Ist das Funktionsprinzip plausibel?

Ob das Wirkprinzip eines Gerätes technisch-physikalisch überhaupt möglich ist, ist auch für Fachleute meist nicht auf Anhieb ersichtlich. Oft bietet aber der "gesunde Menschenverstand“ eine gute Orientierung, ob es sich um ein zweifelhaftes Produkt handelt.

Rätselhaft anmutende, sog. „selektive Wirkungen“ und Fernwirkungen sind in aller Regel reine Erfindungen: Warum sollte "informiertes Wasser" etwa schädliche Bakterien und andere Organismen im Swimmingpool und Gartenteich abtöten, nicht jedoch hilfreiche und wichtige Bakterien im menschlichen Magen-Darm-Trakt? Auch Geräte, die bei äußerst geringem Stromverbrauch oder ganz ohne Energiezufuhr im Umkreis von 20 Metern feuchte Mauern trocknen können, waren unlängst mehrfach Gegenstand von Gerichtsentscheidungen. Klar ist: sie funktionieren nicht.

Wird das Produkt von großen Firmen angeboten?

Je spektakulärer die Behauptungen zur Wirkung eines Produktes, umso unwahrscheinlicher ist es, dass große Hersteller technischer Erzeugnisse sie nicht beachten. Angenommen, es wäre tatsächlich möglich, wie von einigen Anbietern behauptet, mit einem außen an der Benzinleitung eines Autos befestigten Kästchen voll Sand (in der Werbung als "informierte Kristalle" o.ä. bezeichnet) den Benzinverbrauch um 15 % zu senken. Die Vorstellung, dass die Kraftfahrzeugindustrie dieses Konzept nicht längst zu Wettbewerbszwecken aufgegriffen und optimiert hätte (sondern es statt dessen ein paar Kleinstherstellern überlässt), ist absurd. Diesen Wettbewerbsvorteil würde sich kein großes Unternehmen entgehen lassen.

PerpetuummobileWasser

Scharlatanerie-Bingo!

Nahezu sichere Anzeichen für 



Scharlatanerieprodukte sind Ausdrücke wie: ● Biophotonen ● Erdstrahlen ● „feinstofflich“ ● Freie Energie (auch Nullpunktenergie, Raumenergie) ● harmonisieren (z.B. von Elektrosmog) ● Informationen werden in Substanzen wie Wasser gespeichert oder darauf übertragen ● polarisieren oder ● umpolarisieren (oft verbunden mit rechts-drehend o.ä.) ● Quantenphysik ● Skalarwellen ● russische Weltraumtechnologie ● Störfelder ● Tachyonen ● Tesla ● Wasseradern

Anlass zur Skepsis bieten außerdem die Vokabeln

● Energien (Plural!) ● Felder ● Frequenzen ●„ganzheitlich“ ● „holistisch“ ● Matrix ● Schwingungen ● Bioresonanz

Wortgeklingel und Verwirrung

Unlautere Anbieter verwenden gerne eine scheinbar wissenschaftliche Argumentation, um die angebliche Wirkungsweise ihrer Produkte zu erklären. Oft handelt es sich nur um Wortgeklingel aus seriös anmutenden naturwissenschaftlichen Vokabeln, dessen Substanzlosigkeit aber für Laien schwer zu erkennen ist.

Häufig sind Hinweise, dass der behauptete Wirkmechanismus "von der wissenschaftlichen Lehrmeinung (noch) nicht anerkannt" werde. Solche Bemerkungen werden aus zwei Gründen angeführt. Zum Einen, um vermeintlich Klagen von Verbraucherschützern zu umgehen, zum Anderen wird damit die Eitelkeit des Kunden angesprochen, der nicht als so engstirnig gelten möchte, dass er nur das glaubt, was irgendwelche Wissenschaftler sagen. Verächtliche Bemerkungen über "die Schulphysik" sind indes in diesem Zusammenhang ein sicheres Zeichen für ein unseriöses Produkt.

Die Behauptung, vor allem bei alternativmedizinischen Produkten, dass ein Nachweis einer positiven Wirkung durch Kinesiologie, Bioresonanz, Elektroakupunktur nach Voll oder Radiästhesie möglich sei, entlarvt das Produkt zuverlässig als Scharlatanerie. Diese Verfahren sind ebenfalls pseudo-wissenschaftlicher Art und produzieren rein subjektive Ergebnisse, sie sind daher ohne Wert für irgendeinen Nachweis.

Die Verwendung nicht definierter Einheiten (z.B. „Bovis“) ist ebenfalls einen guter Hinweis auf Verbrauchertäuschung. Messgrößen und Konzentrationen können zudem durch Missbrauch von Einheitenvorsätzen (z.B. Kilo-, Milli-, Mega- oder Mikro-) scheinbar größer oder kleiner gemacht werden.

Zertifikate, Siegel, Patente, Marken & Co.

Beliebt sind auch Angaben wie "Geprüft vom renommierten XY-Institut". Die Aussagekraft solcher Angaben kann aber oft nur von Kennern der Branche beurteilt werden. Im Normalfall hat man von XY noch nie etwas gehört und auch der Prüfbericht, sofern er vom Anbieter zugänglich gemacht wird, ist unverständlich. Zudem gibt es Firmen, die darauf spezialisiert sind, fragwürdigen Erzeugnissen mit eindrucksvollen „Gutachten" eine positive Wirkung zu bescheinigen. Angaben wie "TÜV-geprüft" sind ebenfalls mit Vorsicht zu betrachten. Was genau geprüft wurde, ist meist nicht ohne weiteres zu erkennen; es muss nicht die angebliche Funktionsweise sein. Eine besondere Betonung, dass ein Produkt das CE-Zeichen trägt, ist Augenwischerei. Die CE-Kennzeichnung steht im Zusammenhang mit der Produktsicherheit. Das Zeichen wird nicht verliehen, sondern vom Hersteller selbst angebracht. Er versichert damit, dass das Produkt den geltenden europäischen Richtlinien für die jeweilige Produktgruppe (z.B. elektrische Geräte und Komponenten, Maschinen, Spielzeug, Baustoffe) entspricht, muss dies aber nicht nachweisen, um das Produkt in Verkehr bringen zu dürfen.

Ein anderes Pseudo-Zertifikat ist die Richtlinie 2011/65/EU, auch bekannt als "RoHS-Richtlinie". Diese beschränkt die Verwendung gefährlicher Stoffe in elektrischen Geräten, beispielsweise dürfen Lötstellen kein Blei mehr enthalten. Eine Werbeaussage wie „das Gerät erfüllt alle notwendigen Zustimmungen und Zertifizierungen, angefangen von CE und EMC Zeichen bis hin zur RoHS Genehmigung" ist daher irreführend und eine Werbung mit dem RoHS-Emblem nichts sagend. Ein Gerät darf nur in den Handel gebracht werden, wenn es RoHS-konform ist. Hierfür hat der Anbieter selbst zu sorgen, das Produkt wird nicht von irgendeiner Stelle "genehmigt". Anbieter technisch fragwürdiger Produkte berufen sich oft und gern auf Patente. Ein Patent (oder ein Gebrauchsmuster) sagt aber nichts darüber aus, ob eine Erfindung überhaupt funktionieren kann. Die Patentwürdigkeit einer Erfindung ergibt sich aus formalen Kriterien wie Neuheit und Erfindungshöhe; die prinzipielle Funktionsfähigkeit wird von den Patentämtern nicht geprüft. Die oft zu lesende Behauptung, Anmeldungen für physikalisch unmögliche „Perpetuum-Mobile-Erfindungen" würden von Patentämtern nicht angenommen, stimmt ebenfalls nicht. Auch werden überflüssig oder absurd anmutende Erfindungen patentiert. Auch ein Markenschutz wird oft als eine Art Gütesiegel präsentiert. Ein aufdringlich häufig anmutender Gebrauch des Zeichens ® in Verbindung mit dem Produktnamen bedeutet zwar noch nicht, dass das Produkt technisch unwirksam ist, kann aber im Zusammenhang mit anderen hier genannten Kriterien Grund zur Skepsis sein.

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juristische Fragen von Verbrauchern


  • Telefon 0561 2021103 (Deutscher Konsumentenbund e.V.)

  • Telefon 0561 45044938 (Deutscher Konsumentenbund - RV Süd e.V.

wissenschaftliche Fragen, z.B. zur Funktionsweise von Produkten,


  • Telefon 06154 695023 oder ​www.gwup.org/kontakt/ 
(Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP e. V., Roßdorf bei Darmstadt)

Bildrechtenachweis: Perpetuum Mobile aus 'Das Wissen des 20. Jahrhunderts', Rheda,1930, Verlag Wissen und Bildung; PD

Der Konsumentenbund hat sich im Januar 2015 einen Einrichtungs-Giganten gekrallt und wegen wiederholter Verstöße gegen die Preisangabeverordnung die Verhängung eines empfindlichen Ordnungsgelds beantragt. Das Unternehmen mit einer Bilanzsumme von weit über 10 Mio. EUR war in einem früheren Verfahren bereits zum Unterlassen verurteilt worden.Update: Das Landgericht hat mit Beschluss vom 18.05.2015 ein empfindliches Ordnungsgeld gegen das Einrichtungshaus verhängt, das dort für einigen Katzenjammer sorgen dürfte.



Symbolbild: Justizia

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Der Konsumentenbund koordiniert parallel zur in Kassel geplanten Messe "Spirit of Health" (24. bis 26. April 2015) ein Komplementärprogramm mit Informationen, Aktionen, Veranstaltungen und Beratung. Interessierte Personen und gesellschaftliche Gruppen, die sich an einem

Bündnis gegen Pseudomedizin und Quacksalberei zum Schaden von Kindern

beteiligen möchten sind eingeladen, sich an uns zum Zwecke der Koordination und Abstimmung zu werden. Sie erreichen uns



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Konsumentenbund mahnt mehrere Eso-Shops ab

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Mit einem „Seminar“ aus dem Bereich der Esoterik versuchte ein
Anbieter Kasse zu machen. Wie in dieser Branche üblich waren die
Seminargebühren happig: 1.980,00 EUR sollte ein Verbraucher für die
Teilnahme an einem Seminar, für eine nicht wissenschaftlich