Was ist eigentlich eine „Mogelpackungen“?


Bohnen in Dose. In den Grundpreis wurde auch das Wasser eingerechnet.
Bohnen in Dose. In den Grundpreis wurde auch das Wasser eingerechnet.

Mit Kritik an Herstellern, insbesondere in der Lebensmittelindustrie, sind viele schnell bei der Hand. Gelegentlich hat man den Eindruck, überall seien nur noch „Mogelpackungen“ anzutreffen. Sprechen sie auf einer Party einmal über Mogelpackungen und Sie werden sehen, dass hierzu fast jeder eine Meinung hat. Doch was ist eigentlich genau eine „Mogelpackung“?

Kein juristischer Begriff

Zunächst einmal muss man klarstellen, dass es den Begriff der „MogelpackungW“ in dieser Form in Gesetz nicht gibt. Gemäß § 43 des deutschen Mess- und Eichgesetzes müssen Fertigverpackungen zwar so gestaltet und befüllt werden, dass sie keine größere Füllmenge vortäuschen, als in ihnen enthalten ist. Was heißt das nun aber konkret?

In der Rechtsprechung hat sich hierzu die Ansicht herausgebildet, dass eine Fertigverpackung nicht mehr als 30 % Luft enthalten darf. Enthält eine Verpackung mehr Luft, die Gestaltung der Packung irreführend und deshalb wettbewerbswidrig. Juristisch spricht man also streng genommen nur dann von einer Mogelpackung, wenn mehr als 30 % Luft mit verpackt werden.

In der Praxis gibt es hier tatsächlich äußerst „trickreiche“ Gestaltungen. So kann z.B. eine chronische Form gewählt werden, wodurch die Verpackung in der Regel sehr groß wirkt (insbesondere weil sie hochaufragt). Aufgrund der spitz zulaufenden Form ist dann z.B. die Verpackung zwar nur bis zur halben Höhe gefüllt, enthält zugleich aber nur 30 % Luft. Das ist dann zwar eine Schweinerei, aber juristisch nicht zu greifen.

Diese Packung täuscht über den Inhalt
Diese Packung täuscht über den Inhalt

Daneben gibt es „täuschende“ bzw. „irreführende Verpackungen“. Hiervon spricht man, wenn z.B. außen auf einer Verpackung ein Inhalt vorgegaukelt wird, der sich in den nicht findet. Dies ist eine andere Form von Irreführung, weil über den Inhalt getäuscht wird und nicht über die Füllmenge. Im weiteren Sinn kann auch hier noch von einer „Mogelpackung“ gesprochen werden.

Außerdem findet sich im öffentlichen Raum oft die Bezeichnung „Mogelpackung“ für Verpackungen, deren Füllmenge unlängst verkleinert wurde, ohne dass dies der Verpackung anzusehen wäre. Dabei handelt es sich oft um eine sogenannte verdeckte Preiserhöhung. Rechtlich sind solche untergefüllten Verpackungen aber nicht zu greifen, sofern sie weniger als 30% Luft enthalten.

Der unbestechliche Grundpreis

Es gibt aber einen sehr einfachen Weg, der Mogelpackung nicht auf den Leim zu gehen. Für beinahe alle Produkte, für die sogenannte Mogelpackungen infrage kommen, besteht auch die sogenannte Grundpreispflicht. Für Waren, die nämlich nach Länge, Fläche, Volumen oder Gewicht angeboten werden besteht die Pflicht zur Angabe des Grundpreises, d. h. es muss der Preis bezogen auf eine einheitliche Vergleichsgröße (die sogenannte „Mengeneinheit“) angegeben werden. Dieser Preis je Mengeneinheit macht es leicht, sowohl Preiserhöhungen festzustellen, als auch das Produkt im Vergleich zu Konkurrenzprodukten einzuordnen.

Da sich der Grundpreis auf die tatsächliche Füllmenge beziehen muss und die in einer Mogelpackung gegebenenfalls enthaltene Luft dabei nicht mitgemessen wird, ist der Grundpreis stets ein verlässlicher und unbestechlicher Indikator dafür, wie viel der Konsument tatsächlich für sein Geld erhält.

Selbstverständlich ist es mühselig und anstrengend die oft kleinen (und oft sogar in rechtlicher Hinsicht „zu kleinen“) Grundpreise auf den Preisauszeichnungen zu identifizieren, aber es lohnt sich!

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