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M1TTELPL4G14TE (Lebensmittelplagiate)


Fälschung und Panscherei

Werden Lebensmittel zu Unrecht als „Spezialitäten“ gekennzeichnet oder ihnen zu unrecht eine besondere Reputation beigelegt, spricht man von Lebensmittelfälschungen (food counterfeit). Dabei handelt es sich eigentlich um einen Sonderfall der Produktpiraterie. Wird dagegen ein minderwertiges Lebensmittel (sub-standard food) durch Zugabe von Mitteln oder durch Anwendung eines Verfahrens, dass für die Lebensmittelherstellung nicht vorgesehen bzw. zugelassen ist, in ein scheinbar höhenwertiges Lebensmittel verwandelt, spricht man von Panscherei.

Russischer Kaviar - welcher ist echt
Russischer Kaviar – welcher ist echt

 

Margen, größer als im Drogenhandel

Lebensmittelfälschungen sind ein Wachstumszweig des organisierten Verbrechens. Die Margen – etwa bei der Fälschung  von Lebensmitteln – übersteigen die des Kokain- oder Extasy-Handels bei weit geringerem Entdeckungsrisiko. Dies ermöglicht Fälschungen im industriellen Maßstab. Die Täter tragen nicht Lederjacke und Hoodie, sie tragen Laborkittel. Die Folge ist, dass über 90 % der Lebensmittelfälschungen nur durch spezialisierte Laboruntersuchungen erkennbar werden.

Gefälschte "Foie Gras"
Aus TK-Entenresten wird „Foie Gras“

Recherchieren, Koordinieren und Verfolgen

Nach Schätzungen der OECD ist eines von 50 Lebensmitteln in Europa gefälscht, bei manchen Lebensmitteln (insbesondere regionale Spezialitäten) sind es 8 von 10. Die Margen sind gewaltig. Bei unserer Arbeit nehmen wir es regelmäßig mit der organisierten Kriminalität auf. In unserem Hinweisgeber-Programm sammeln und bearbeiten wir Hinweise aus der Szene (meist von ehemaligen Arbeitnehmern) zu zahlreiche Rechtsverstöße. Oft genügen diese, um Ermittlungen des Zolls und der Polizei einzuleiten. Außerdem unterhalten wir enge Beziehungen mit Lebensmittellabors und führen selbst Ermittlungen und Testkäufe von verdächtigen Produkten durch.

Gemeinsam mit dem Bündnis gegen Lebensmittelplagiate e.V. bieten wir Medienvertretern und Recherchenetzwerken aufbereitete Informationen und Expertenkontakte.

Blick in die Werkstatt einer Bande von Lebensmittelfälschen
Blick in die Werkstatt einer Bande von Lebensmittelfälschen

„Industrielle Nahrungsmittelherstellung“ —Verbraucherschutz ohne Kampfbegriff

Unser Verband kritisiert kriminelle Praktiken im Bereich der Lebensmittelproduktion und des Lebensmittelhandels. Zwar gibt es Überschneidungspunkte mit der industriellen Produktion, aber diese Fälle sind im Bereich der gefälschten Spezialitäten selten und im Bereich der Lebensmittelpanscherei sehr selten.Tatsächlich bietet die seriöse, moderne Lebensmittelherstellung allerdings ein nie zuvor gesehenes Maß an Lebensmittelsicherheit und -verfügbarkeit. Im Focus unserer Arbeit stehen kriminelle und betrügerische Geschäftspraktiken, nicht Scheinskandale.

Foto zeigt ein Stück Rindfleisch mit Fett-Marmorierung
Qagyu, oder doch nur Milchkuh mit Fett-Injektion?

Überhaupt nicht ungefährlich

Die Zusammenarbeit mit Verfolgungs- und Steuerbehörde verschafft einem nicht nur Freunde: regelmäßig werden Kontrolleure und Tester und ihre Familien (teils mit dem Tode) bedroht. Diese Drohungen sind angesichts der Verbindungen der Lebensmittelfälscherei zu Unterwelt und organisierter Kriminalität auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Eine Transporter-Ladung gefälschtes Wagyu-Fleich hat einen Wert von mehreren 100.000 €.

Unsere Kolleginnen und Kollegen im Bereich Lebensmittel tragen daher bei der Arbeit z.B. Pseudonyme um ihre Identität zu schützen.

Kontakt

Wer sich an die Kolleginnen und Kollegen wenden möchte, kann dies hier tun:

Logo: Bündnis gegen Lebensmittelplagiate

Bündnis gegen Lebensmittelplagiate e.V.
(im Gebäude der Bundesnetzagentur, Dienststelle Kassel)
Karthäuserstraße 7-9, 34117 Kassel

lebensmittel@konsumentenbund.de


Beitragsbild: By Shai avidan (Own work) [CC BY-SA 3.0]