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Rapex-Meldungen der EU-Kommission in deutscher Sprache

Gesundheitsrisiko oder Phalanx gegen den Terror – Ein kritischer Blick auf Nacktscanner

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Röntgenscanner (ionisierend) mit dem Abbild von Susan Hallowell, Direktor der TSA (Quelle, ww.tsa.gov))Irgendwie haben wir uns fast schon daran gewöhnt: Facebook kennt unser Privatleben, Amazon unser Kaufverhalten ... warum sollten Sicherheitspersonal und Bundespolizei nicht unseren Intimbereich kennen? Der nackte Konsument ist doch nur eine logische Nebenfolge des gläsernern Konsumenten. Die Deutschen stehen dem Nacktscanner-Einsatz daher auch zu 61 % positiv gegenüber (laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins „Der Stern“: von 1.006 Befragten unterstützten 63 Prozent deren Einsatz, 31 Prozent lehnten ihn ab).

Was soll auch schon groß dabei sein: Nacktscanner sollen uns ja nur schützen! Und wenn Politiker nun statt des Wortes "Nacktscanner" lieber das Wort "Körperscanner" benutzen ist keineswegs Euphämismus; es klingt einfach besser.

Die Nacktscanner bewegen im Moment auch nur Bürgerrechtsgruppen und die Piratenpartei, die das Thema im wesentlichen unter dem Aspekt "Bürgerrechte" und Schutz der Intimphäre bearbeiten. Vielleicht ist es an der Zeit, die Fragestellung zu überdenken. Vielleicht sollten sich Verbraucher fragen, wer sie vor den Nacktscannern und deren gesundheitlichen Auswirkungen schützt? Ein Hintergrundbericht der New York Times (Englisch) wirft genau diese Frage auf. Susan Stellin von der New York Times berichtet lesenswert, kritisch und aus einem neuen Blickwinkel über Nacktscanner. Wie wägen wir ab, wenn es gilt, zwischen einem kleinen Mehr an Sicherheit vor einem hypothetischen Terrorangriff einerseits und einem Gesundheitsrisiko für Flugpassagiere andererseits zu wählen?

Wie funktionieren Nacktscanner?

Nacktscanner arbeiten mit Strahlung. Grundsätzlich gibt es zwei Versionen von Nacktscannern: die einen arbeiten mit Röntgenstrahlung, die anderen mit so genannter „Terahertzstrahlung“.

Röntgenstrahlung (siehe das Bild oben) verursacht durch ihre ionisierende Wirkung Zellschäden, die Krebserkrankungen auslösen können. Aus diesem Grund wird eine Strahlenbelastung im Bereich der Medizin nur in Kauf genommen, wenn es für die Verbesserung der Gesundheit unerlässlich ist. Das ist alles nicht neu sondern altbekannt. Gleichwohl werden entsprechende Scanner zur Zeit getestet.

Terahertzstrahlung andererseits gibt es wiederum in zwei Varianten und zwar als aktive Terahertz-Scanner und passive Terahertz-Scanner. Die Terahertzstrahlung (auch „Millimeterwellen-Strahlung“ genannt) wirkt – im Gegensatz zur Röntgenstrahlung – nicht ionisierend. Bei Geräten im Passivmodus wirkt keine Strahlenquelle direkt auf den Körper, sodass aus physikalischer Sicht keine Strahlungsschäden zu erwarten sind.

Bild eines aktiven Terahertz-Scanners (Quelle: TSA, PD-USGOV-DHS)

Die Bildqualität der aktiven Terahertz-Scanner ist um ein Vielfaches besser als die Bilder von passiven Terahertz-Scannern. Andererseits existieren aber Studien, die als Folge von Terahertz-Bestrahlung (also bei aktiven Terahertz-Scannern) genetische Schäden nachweisen (How Terahertz Waves Tear Apart DNA. MIT Technology Review), andere Studien hingegen lassen jedoch nicht auf Schäden schließen („Some studies reported significant genetic damage while others, although similar, showed none.“ , Korenstein-Ilan et alt, "Terahertz Radiation Increases Genomic Instability in Human Lymphocytes" in Radiation Research: August 2008, Vol. 170, No. 2, pp. 224-234"). Zu aktiven Terahertzscannern hingegen liegen dem Bundesamt für Strahlenschutz keine belastbaren Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen der eingesetzten Frequenzen und Leistungen des Rückstreuverfahrens mit Terahertzstrahlung vor, auch Langzeitstudien fehlen (dw-world.de vom 7. Januar 2010).

Ein Milliarden-Markt

Dem Markt für Nacktscanner wird eine rosige Zukunft vorhergesagt. Das Marktvolumen wird auf ca. 9 Milliarden EUR geschätzt (Spiegel Online, 11. Januar 2010), allein in Europa. Von den vier bedeutenden Herstellern (Die Zeit) haben drei, nämlich

  • American Science and Engineering, Inc. (ASEI),
  • L-3 Communications, und
  • Rapiscan Systems (OSI-Tochter)

Ihren Sitz in den USA. Einzig die

  • Smiths Heimann GmbH

entwickelt in Wiesbaden Nacktscanner Made in Germany.

Ein Stück strahlendes Blech mit stark überschätztem Mehrwert?

Der Sicherheitsgewinn durch den Einsatz der Geräte ist laut Sicherheitsexperten minimal, so sei im Falle des Anschlagsversuchs von Detroit nicht fehlende Kontrollen, sondern die unzureichende Kommunikation der Sicherheitsbehörden der Grund für das Sicherheitsrisiko gewesen.

Auch konnte ein italienischer Reporter Anfang 2010 im internationalen Terminal des Flughafens Rom-Fiumicino nachts die Sicherheitszone ohne jegliche Kontrolle betreten, da diese nur tagsüber überwacht wird.

Die EU-Kommission hat sich des Themas angenommen (nzz.ch) und noch ist der Nackscanner-Einsatz ein Deutschland nicht angelaufen. Wer aber vom Flughafen Amsterdam Schiphol in die USA fliegt, kommt dort bereits in den zweifelhaften Genuss eines Terahertz-Scanner-Einsatzes (welt Online). Auch in Manchester wurden während einer halbjährigen Testphase bis vor kurzem 210.000 Passagiere gescannt (heise.de). Zwei Personen, die sich der Prozedur nicht unterziehen wollten, wurden nicht befördert (BBC). Ein Möglichkeit, statt der Terahertz-Bestrahlung eine Leibesvisitation durchführen zu lassen, gab es in Manchester übrigens nicht (heise.de).

In Deutschland ist wohl erst im Jahr 2011 mit einem Testeinsatz zu rechnen. Das wäre nicht weiter bedenklich, gäbe es nicht ernst zu nehmende Bedenken gegen die Sicherheit der Geräte. Professor Peter Rez von der Arizona State University etwa äußert in der New York Times gestern Bedenken hinsichtlich etwaiger Fehlfunktionen der Geräte. Außerdem gibt es tatsächlich – nach unserer Kenntnis – keine Langzeitstudien zur Dauerbestrahlung von Personen. Dies beklagt auch John Sedat, Professor für Biochemie an der University of California in San Francisco.

Wir meinen …

… ein Einsatz von aktiven Terahertz-Scannern oder Scannern auf Basis der Röntgen-Technik ist derzeit nicht vertretbar. Weder gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu gesundheitlichen Auswirkungen häufiger Bestrahlung, noch ist geklärt, ob die Geräte ausreichend gegen Fehlfunktionen geschützt sind. Für die Abschirmung der ionisierenden Strahlung in einem Nacktscanner gibt es bisher keine Normen oder gesetzlichen Vorgaben.

Vor der Einführung von Nacktscannern gilt es Normen und Grenzwerte zu definieren. Anders als in den USA (New York Times) sollten dem Gremium, welches diese Grenzwerte festlegt weder Vertreter der Herstellerfirmen noch der Exekutive angehören.

In jedem Fall muss stets die Möglichkeit für Reisende bestehn, sich einer anderen – nicht mit Strahlenbelastung verbundenen – Untersuchung zu unterziehen (Opt Out).

Autoren: Urs Hoffmann/Guido Bockamp

Partner

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