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Falsch, fälscher, Essensfälscher? DerStandard.at interviewt Foodwatch-Chef

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Buchcover: Thilo Bode. Die Essens Fälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen, Quelle: VerlagDerStandard.at interviewt Foodwatch-Chef Bode zu seinem neuen Buch "Die Essensfälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen".

Dr. Thilo Bode, Gründer von "foodwatch" mit bewegter Vergangenheit als Juso-Chef, promovierter Volkswirt, Greenpeace-Aktivist, Greenpeace-Chef und schließlich Greenpeace-Aussteiger (weil Robben besser geschützt seien als Verbraucher; am Ende des Artikels), hat es verstanden, das Thema Lebensmittelplagiate immer wieder in den Mittelpunkt des "öffentlichen Interesses" zu rücken. "Die Essensfälscher" ist nach dem Werk "Abgespeist - Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können", das 2007 erschien (beide Verlag S. Fischer) bereits das zweite Buch zum Thema Lebensmittelplagiate.

Das Interview, das Regina Bruckner für die linksliberale österreichische Tageszeitung "Der Standard" geführt hat, ist - gewohnter "Standard-Standard" so zu sagen - lesenswert. Man bekommt allerdings den Eindruck, als arbeite sich die journalistische Finesse der wohlvorbereiteten Frau Bruckner eher mühsam am Interviewpartner ab.

Der Chef der Organisation foodwatch e.V., die sich den Slogan "die essensretter" zugelegt hat, arbeitet sich in seinen Antworten nämlich leider durch eine Reihe plakativer Gemeinplätze und spart auch mit Polemik nicht:

  • "Biertrinken für den Regenwald"
  • "Regeln extra für die Industrie"
  • "Süßwarenkonzerne mästen Kinder"
  • Die Lebensmittel Ampel ist irgendwie gut, eindeutig dafür scheint er aber nicht zu sein.

Nur vereinzelt kann Bode den Ball aufnehmen, der ihm durch die gut recherchierten Fragen der Journalistin zugespielt wird, etwa bei der Rolle Österreichs im Rahmen der Beratungen über eine Öffnungsklausel in den Rechtsakten der EU zur Lebensmittelkennzeichnung in Brüssel. Sonst bewegt sich Bode zwischen polemisch "fetten Kindern" und "körperverletzenden Konzernen".

Wir meinen ...

Bode hat Recht: das Thema ist wichtig. Die Konzernschelte des Interviews entlässt aber diejenigen aus der Verantwortung, an denen es ist, für die Konsumenten zu arbeiten: die Politikerinnen und Politiker. Einem Großkonzern vorzuhalten, dass er maximale Gewinne mit Lebensmitteln machen will ist ungefähr so, als klage man die Katze des Mordes an unschuldigen Mäusen an. Lebensmittelproduktion (auch in industrieller Form) garantiert eine Grundversorgung der Gesellschaft und ein Preisniveau.

Wer nach dem Genuß von Aufregerliteratur aktionistisch zum Bio-Hänchen ("nach EG-Öko-Verordnung") greift geht einer wir-hier-die-da-Polemik auf den Leim. Konzerne werden sich an den Regeln orientieren, die die Politik ihnen vor gibt. Wenn Bode nun (zu Recht) kritisiert, dass Konzerninteressen über die Politik zu Gesetzen werden, sollte er mit dem Finger eher auf die Politiker als auf die Unternehmen zeigen.

Man mag dem Thema wünschen, dass sein neues Buch sich nicht bei Banalitäten aufhält sondern die Erwartungen übertrifft, die das Interview (leider) genähert hat.

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